Als Bahnreisende stehen Ihnen, aufgrund der europäischen Gesetzgebung, bestimmte Rechte zu, insbesondere bei Fernreisen innerhalb der Europäischen Union (Verordnung (EG) 1371/2007 vom 23. Oktober 2007). Diese Rechte werden ab dem 7. Juni 2023 mit dem Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2021/782 vom 29. April 2021 leicht abgeändert.

 

 

 

Recht auf Information und Zugang zu Fahrkarten

Vor der Reise müssen Sie zumindest über Folgendes informiert werden:

  • Die für den Vertrag geltenden allgemeinen Bedingungen
  • Fahrplan und Bedingungen für die günstigsten Tarife und die schnellste Strecke
  • Die an Bord verfügbaren Dienstleistungen
  • Zugänglichkeit für Menschen mit eingeschränkter Mobilität
  • Reklamations- und Beschwerdeverfahren.

Während der Reise müssen Sie folgende Informationen erhalten:

  • Wichtigste Verbindungen
  • Verspätungen und Annullierungen
  • An Bord verfügbare Dienstleistungen.

Die Eisenbahnunternehmen müssen den Fahrkartenverkauf über Schalter oder Automaten oder allgemein verfügbare Technologien (Internet, Telefon etc.) erleichtern. Behinderte Menschen müssen ihren Fahrschein ohne Aufpreis an Bord kaufen können. In bestimmten Fällen, die mit der Sicherheit oder einer Buchungspflicht zusammenhängen, kann der Verkauf an Bord dennoch verweigert oder eingeschränkt werden.

 

Verspätungen und Annullierungen

Im Falle einer Verspätung von mehr als 60 Minuten oder eines Zugausfalls, der dazu führt, dass Sie mit mehr als 60 Minuten Verspätung am Zielort ankommen, haben Sie folgende Möglichkeiten:

– Stornierung Ihrer Reise und Erstattung des Ticketpreises für die nicht durchgeführten Teile der Reise. Sie können sogar eine vollständige Erstattung der bereits zurückgelegten Strecke beantragen, wenn die Fortsetzung der Reise im Vergleich zum ursprünglichen Reiseplan nicht mehr von Interesse ist. Falls erforderlich, können Sie auch die schnellstmögliche Rückreise zu Ihrem ursprünglichen Abfahrtsort verlangen.

– Fortsetzen Ihrer Reise zu Ihrem Zielort wie geplant oder mit der nächstmöglichen Verbindung oder zu einem Datum Ihrer Wahl.

– Sie haben auch Anspruch auf Unterstützungsleistungen, die Mahlzeiten und Erfrischungen in angemessener Menge unter Berücksichtigung der Wartezeit umfassen. Wenn Sie über Nacht vor Ort bleiben müssen, muss das Transportunternehmen Ihre Unterkunft und den Transport dorthin und zurück organisieren. Ab dem 7. Juni 2023 kann die Höchstdauer der Unterbringung in Ausnahmefällen auf 3 Nächte begrenzt werden.

Wenn Sie sich entschließen, Ihre Reise fortzusetzen und keine vollständige Erstattung Ihres Tickets beantragen, haben Sie Anspruch auf eine pauschale Entschädigung von mindestens

– 25 % des Fahrpreises, wenn die Verspätung zwischen 60 und 119 Minuten beträgt;

– 50% des Fahrpreises, wenn die Verspätung 120 Minuten oder mehr beträgt.

Beim Kauf einer Hin- und Rückfahrkarte wird die Höhe der Entschädigung für eine Verspätung bei der Hinfahrt oder eine Verspätung bei der Rückfahrt im Verhältnis zum Preis der Einzelfahrt berechnet, sofern dieser angegeben ist. Ist der Preis der einzelnen Fahrkarten nicht angegeben, wird die Entschädigung auf der Grundlage der Hälfte des Gesamtpreises berechnet.

Achtung: Sie haben keinen Anspruch auf Entschädigung, wenn Sie vor dem Kauf des Tickets über die Verspätung informiert wurden oder wenn die endgültige Verspätung weniger als 60 Minuten beträgt. Die Eisenbahnunternehmen können auch Entschädigungen von weniger als 4 € verweigern.

Anmerkung: Bisher sind die Eisenbahnunternehmen verpflichtet, Entschädigungen auch bei außergewöhnlichen Umständen (extreme Witterungsbedingungen, Naturkatastrophen, schwere Gesundheitskrisen) zu zahlen. Ab dem 7. Juni 2023 wird dies nicht mehr der Fall sein, die Entschädigung wird nicht mehr bei außergewöhnlichen Umständen, Verschulden des Fahrgasts oder Verschulden eines Dritten fällig, wenn das Eisenbahnunternehmen kein Verschulden trifft (Person auf den Gleisen, Diebstahl von Kabeln, Notfall an Bord der Züge usw.). Streiks von Bahnpersonal  entbinden die Eisenbahnunternehmen jedoch nicht von der Entschädigungspflicht.

 

Reisegepäck

Die Verantwortung für Handgepäck und Tiere liegt bei den Reisenden. Bei vollständigem oder teilweisem Verlust des aufgegebenen Gepäcks wird jedoch eine Entschädigung gewährt:

– Maximal ca. 80 € pro fehlendes Kilo oder ca. 1.200 € pro Gepäckstück, wenn die Höhe des Schadens nachgewiesen ist;

– Ca. 20 € pro fehlendes Kilo oder ca. 300 € pro Gepäckstück, wenn die Höhe des Schadens nicht nachgewiesen werden kann.

Im Falle einer Beschädigung des aufgegebenen Gepäcks haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe des Wertverlustes der betreffenden Gepäckstücke. Diese Entschädigung kann jedoch nicht höher sein als die Entschädigung, die Sie im Falle eines Totalverlustes erhalten würden.

Im Falle einer Verspätung bei der Auslieferung des aufgegebenen Gepäcks haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung, die pro 24 Stunden berechnet wird (maximal 14 Tage lang, danach gilt das Gepäck als verloren). Wird der Schaden nachgewiesen, beträgt die Entschädigung maximal ca. 0,80 € pro kg oder ca. 14 € pro Gepäckstück. Wird der Schaden nicht nachgewiesen, beträgt die Entschädigung maximal ca. 0,14 € pro kg oder ca. 2,80 € pro Gepäckstück.

Achtung: Die angegebenen Beträge können sich im Laufe der Zeit ändern. Zögern Sie daher nicht, sich mit uns in Verbindung zu setzen, wenn Sie die aktuellen Beträge in Erfahrung bringen möchten.

 

Menschen mit Behinderung und Menschen mit eingeschränkter Mobilität

Der Zugang zu Bahnhöfen und Zügen muss behinderten Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität in nicht diskriminierender Weise gewährt werden. Sie erhalten vor und während der Zugfahrt eine kostenlose Sonderbetreuung. Die Eisenbahngesellschaft muss mindestens 48 Stunden im Voraus informiert werden (24 Stunden ab dem 7. Juni 2023), damit sie geeignete Maßnahmen ergreifen kann. Auch wenn die Vorankündigung keine 48 Stunden zurückliegt, muss sich das Unternehmen dennoch bemühen, angemessene Unterstützung zu leisten, um das Reisen zu ermöglichen.

 

Unfälle

Bei Verletzung oder Tod in Folge eines Zugunfalls, ist Schadenersatz zu leisten. Die Höhe und die Form des Schadensersatzes (Kapitalbetrag der Rente) werden durch nationales Recht festgelegt, der in der europäischen Verordnung festgelegte Höchstbetrag beträgt jedoch 175.000 €.

 

Die neuen Regeln ab 7. Juni 2023

Die derzeitigen Ausnahmeregelungen und die neue europäische Verordnung erlauben es den Mitgliedstaaten, bestimmte Vorschriften für Stadt-, Vorort- und Regionalverkehr (Fahrten innerhalb der Großregion im Falle Luxemburgs) nicht anzuwenden. Dazu gehören Vorschriften über die Erstattung oder Entschädigung von Fahrgästen bei Verspätung oder Ausfall eines Zuges. Eine 2-stündige Zugverspätung zwischen Metz und Luxemburg berechtigt Sie beispielsweise nicht zu einer Entschädigung durch die SNCF oder die CFL.

Ab dem 7. Juni 2023 gelten für die Eisenbahnunternehmen neue Verpflichtungen, insbesondere in Bezug auf die Mitnahme von Fahrrädern an Bord von Zügen, den Verkauf von Durchgangsfahrkarten und die Einhaltung von Anschlussverbindungen. Auch bisher geltende Ausnahmeregelungen hinsichtlich nichtdiskriminierender Fahrkartenpreise, der Verfügbarkeit von Fahrkarten und Reservierungen, den Rechten von Fahrgästen mit eingeschränkter Mobilität und Beschwerdeverfahren laufen aus.

 

Beschwerden

Die Eisenbahnunternehmen müssen über eine Beschwerdestelle verfügen, an die sich die Fahrgäste wenden können (vorzugsweise schriftlich mit allen Belegen). Sobald eine Beschwerde eingereicht wird, muss das Unternehmen innerhalb eines Monats antworten. Darüber hinaus gibt es in jedem Mitgliedstaat eine Stelle, die für die Überwachung der Anwendung der Verordnung (EG) 1371/2007 und der künftigen Verordnung (EU) 2021/782 zuständig ist. In Luxemburg ist dies das Ministerium für Verbraucherschutz (passagers@mpc.etat.lu).

Bei Fragen zu oder Schwierigkeiten bei Bahnfahrten, können Sie sich gerne an das Europäische Verbraucherzentrum Luxemburg (www.cecluxembourg.lu) wenden:

Telefon: +352 26 84 64 -1

E-Mail: info@cecluxembourg.lu