Seit jeher ziehen Messen und Ausstellungen viele Verbraucher an. Bei dieser Gelegenheit haben Sie die Möglichkeit, unterschiedlichste Produkte von Händlern aus vielen Ländern zu vergleichen. Allerdings kann der zeitlich begrenzte Rahmen der Messen und die Sonderangebote, die nur während deren Dauer gelten, Sie zu Käufen bewegen, die Sie im Nachhinein bedauern.

Seien Sie daher vorsichtig!

Luxemburg:

Die Frage des Widerrufsrechts für einen Kauf auf einer Messe wirft viele Fragen auf, da dies durch die geltende Gesetzgebung nicht eindeutig geregelt ist. So wurden mehrere Interpretationen vorgenommen, insbesondere zur „gewöhnlichen“ Art der Tätigkeit des Händlers auf einer Messe. Nimmt ein Gewerbetreibender in der Regel an einer Messe teil, lässt sich daraus schließen, dass es sich um eine gewöhnliche Betriebsstätte des Gewerbetreibenden handelt und dass die Verbraucher daher keinen Anspruch auf ein Widerrufsrecht haben. Ist der Verkäufer jedoch zum ersten Mal oder nur gelegentlich auf einer Messe anwesend, könnte man den Schluss ziehen, dass es sich um einen Verkauf außerhalb der üblichen Geschäftsräume des Händlers handelt und somit ein Widerrufsrecht vorliegt. Die Schwierigkeit besteht darin, zu beweisen, ob die Präsenz des Händlers auf der Messe ungewöhnlich ist oder nicht.

Der Gerichtshof seinerseits wählt eine andere Auslegung, da er feststellt, dass die berufliche Tätigkeit des Gewerbetreibenden weniger entscheidend wäre als die Art der verkauften Ware und dass nur ein Richter beurteilen könne, ob ein Widerrufsrecht eingeräumt werden kann oder nicht.

Angesichts dieser Rechtsunsicherheit in Bezug auf diese Frage des Widerrufsrechts für einen Kauf auf einer Messe haben wir uns entschieden, Verbraucher keinen unnötigen Risiken auszusetzen, indem wir ihnen raten davon auszugehen, dass sie kein Widerrufsrecht für auf Messen abgeschlossene Verträge haben.

Frankreich:

Wenn Sie eine Ware oder Dienstleistung auf einer Messe, Ausstellung oder einer kommerziellen Veranstaltung kaufen, haben Sie kein Widerrufsrecht.

Wird der Kauf dagegen durch einen mit dem Kaufvertrag verbundenen Kredit finanziert, besteht ein Widerrufsrecht in Bezug auf diesen Kredit.

Der Händler, der den Verkauf von Waren oder die Erbringung von Dienstleistungen anbietet, muss  vor Vertragsabschluss darüber informieren, dass kein Widerrufsrecht besteht (Artikel L. 224-59 des „Code la Consommation“).

In der Praxis muss der Händler dazu auf einem Schild (Größe mindestens DIN A3) in einer Schriftgröße, die nicht kleiner als Schriftgröße 90 sein darf, den folgenden Satz sichtbar anbringen: „Der Verbraucher hat kein Widerrufsrecht für jeden Kauf, der auf [dieser Messe] oder [dieser Ausstellung] oder [auf diesem Stand] getätigt wird“ (Artikel 1 der Verordnung vom 2. Dezember 2014 über Informationen hinsichtlich des Fehlens einer Widerrufsfrist für Verbraucher auf Messen und Ausstellungen).

In den vom Händler angebotenen Verträgen muss klar und deutlich der folgende Satz stehen: „Der Verbraucher hat kein Widerrufsrecht bei einem Kauf auf einer Messe oder in einer Ausstellung“. Diese Information muss in einem Rahmen oben im Vertrag und in einer Schriftgröße angegeben werden, die nicht kleiner sein darf als Schriftgröße 12 (Artikel 2 Verordnung vom 2. Dezember 2014).

Kommt der Gewerbetreibende seiner Informationspflicht hinsichtlich des Fehlens eines Widerrufsrechts nicht nach, kann er mit einer Geldstrafe von bis zu 3.000 € pro Person belegt werden.

Deutschland:

Die Situation in Deutschland ist (vielleicht) etwas klarer in dem Sinne, dass es in den meisten Fällen kein Widerrufsrecht gibt, da die deutsche Rechtsprechung besagt, dass ein Messestand grundsätzlich als gewöhnlicher Geschäftsraum angesehen werden kann (und ein Verbraucher somit kommerzielle Angebote erwarten kann/muss).

Also kein Widerrufsrecht.

Von dieser „Grundregel“ gibt es nur wenige Ausnahmen, z. B. wenn ein Händler Produkte verkauft, die nichts mit dem Thema der Messe zu tun haben (z. B. wenn er einen Staubsauger auf einer Tourismusmesse verkauft).

Belgien:

„Einkäufe auf einer Messe, Ausstellung oder einem Markt?“

Sie haben auf einer Messe, Ausstellung oder einem Markt eine Bestellung aufgegeben? Die Situation hinsichtlich des Widerrufsrechts ist unklar: Es kann schwierig festzustellen sein, ob der Verkäufer seine Tätigkeit an diesem Ort gewöhnlicherweise ausübt oder nicht. Daher muss jeder Fall einzeln betrachtet werden und unterliegt einer Interpretation.

Der Stand des Verkäufers auf einem Wochenmarkt ist zweifellos seine Betriebsstätte. Insofern gelten hier die Regeln für einen Kauf im Geschäft.

Dahingegen ist es weniger offensichtlich für einen Stand, der von einem Händler „nur“ auf einer bestimmten Messe oder Ausstellung oder auch nur jährlich betrieben wird. Diese Art von Geschäftsräumen kann, je nach dem, als gewöhnlicher Geschäftsraum angesehen werden oder nicht.

Seien Sie daher bei einem Kauf auf einer Messe oder einer Ausstellung vorsichtig und bitten Sie den Verkäufer, auf der Bestellung, dem Vertrag oder der Rechnung eindeutig festzuhalten, ob ein Widerrufsrecht besteht oder nicht.