Wenn der Veranstalter eine Pauschalreise (mindestens zwei gemeinsam gebuchte oder von einem Reisebüro oder Reiseveranstalter angebotene Leistungen) storniert, können Sie bisher eine Rückerstattung für die gesamte Reise verlangen.

Angesichts der enormen Schwierigkeiten, die aktuell den Tourismussektor treffen, haben mehrere Länder der Europäischen Union die Vorschriften bezüglich der Stornierung von Pauschalreisen anpassen oder werden diese anpassen. Je nach dem, welches Recht auf Ihren Vertrag anwendbar ist (prüfen Sie die allgemeinen Geschäftsbedingungen Ihres Vertrags), gelten folgenden Regeln:

Luxemburgisches Recht:

Gemäß der großherzoglichen Verordnung vom 27. März 2020 ist die Erstattung des Reisepreises im Falle der Stornierung einer Pauschalreise, sei es auf Initiative des Reisenden oder auf Initiative des Veranstalters, ausgesetzt.


Französisches Recht:

Für Stornierungen von Pauschalreisen zwischen dem 1. März und dem 15. September 2020, ist das Reisebüro berechtigt, einen Gutschein anzubieten, der mindestens 18 Monate lang gültig ist. Wird der Gutschein während seiner Gültigkeitsdauer nicht verwendet, muss der Reisepreis nach 18 Monaten vollständig erstattet werden.

Wenn nur ein Teil des Gutscheins verwendet wird, da die neue Reise günstiger ist, ist der Restbetrag weiterhin gültig und kann für den Kauf einer weiteren Reise oder einer anderen Dienstleistung verwendet werden. Der verbleibende Betrag muss nach 18 Monaten erstattet werden, wenn er endgültig nicht verwendet wird.

Es ist zu beachten, dass die Insolvenzversicherung, die bisher nur für Reiseverträge galt, auf diese Gutscheine ausgedehnt wurde. Das bedeutet, dass Sie im Falle einer Insolvenz des Reisebüros oder des Reiseveranstalters, das oder der den Gutschein ausgestellt hat, die Erstattung des Gutscheinwertes von der Versicherung zu erhalten.

Verordnung Nr. 202020-315 vom 25. März 2020.

Belgisches Recht

Auf der Grundlage des Ministerialerlasses über die Rückerstattung von stornierten Pauschalreisen vom 19. März 2020 (http://www.ejustice.just.fgov.be/mopdf/2020/03/20_2.pdf#Page12), geändert durch Ministerialerlass vom 3. April 2020 s(http://www.ejustice.just.fgov.be/mopdf/2020/04/06_2.pdf#Page5 stellt sich die Situation wie folgt dar:
Seit dem 20.03.2020 und bis zum 20.06.2020, ist der Reisende, wenn eine Pauschalreise vom Reiseveranstalter oder vom Reisenden storniert wird, verpflichtet, anstelle einer Rückerstattung einen Gutschein in Höhe des gezahlten Reisepreises zu akzeptieren.

Dieser Gutschein muss den vollen Wert des vom Reisenden bereits bezahlten Betrags ausweisen, für den Reisenden kostenlos und mindestens ein Jahr gültig sein sowie deutlich darauf hinweisen, dass er infolge der Coronavirus-Krise ausgestellt wurde. Wird der Gutschein nicht innerhalb eines Jahres seit Ausstellung durch den Reisenden eingelöst, wird er dem Reisenden auf Anfrage erstattet. Die Erstattung durch den Reiseveranstalter muss sodann innerhalb von sechs Monaten erfolgen.

Der Gutschein ist durch eine Insolvenzversicherung gedeckt, die Reisenden im Falle einer Insolvenz des Reiseveranstalters die vollständige Erstattung des Reisepreises garantiert.

Deutsches Recht

In Deutschland haben sich rechtlich bislang keine Änderungen hinsichtlich der Stornierung von Pauschalreisen ergeben. Das bedeutet, dass Reisende noch immer das Recht haben, die Erstattung des Reisepreises zu verlangen, sollte der Veranstalter die Reise (bspw. aufgrund von Corona) abgesagt haben. Auch der Reisende hat das Recht, eine Pauschalreise jederzeit zu kündigen. In diesem Fall werden jedoch normalerweise Stornogebühren berechnet, es sei denn, die Kündigung erfolgte aufgrund von außergewöhnlichen Umständen. Dies ist in der aktuellen Situation angesichts der Corona-Pandemie wohl in den meisten Fällen gegeben, sodass eine Kündigung ohne Stornokosten möglich sein sollte. Es empfiehlt sich jedoch stets, zunächst mit den Reisebüro bzw. dem Reiseveranstalter zu sprechen. Auch werden Reisende momentan dazu aufgerufen, Gutscheine etc. statt der Erstattung des Reisepreises zu akzeptieren, um massenhafte Insolvenzen in der Tourismusbranche zu vermeiden.

Spanisches Recht

Ist das Reiseziel einer gebuchten Pauschalreise durch außergewöhnliche Umstände, wie dem Coronavirus, beeinträchtigt (z. B. Dekrete oder Anordnungen der spanischen oder einer anderen Regierung, die den Zugang zu einem bestimmten Ort im Zusammenhang mit der Reise verbieten) oder von Reisebeschränkungen aufgrund des Alarmzustands betroffen, haben Reisende das Recht, den Vertrag vor Abreise ohne Stornierungskosten zu kündigen und Reisepreis bzw. die geleisteten Zahlungen vollständig erstattet zu erhalten. Wenn der Reiseveranstalter nachweisen kann, dass dieser von anderen, an der Reise beteiligten Leistungserbringern (wie Hotels oder Fluggesellschaften), keine Erstattung der entsprechenden Zahlungen erhalten hat, kann der Veranstalter einen Gutschein für diese (Teil-) Beträge ausstellen. Die Reisenden haben dann ein Jahr Zeit, den Gutschein zu nutzen. Nach Ablauf dieses Zeitraums muss der Veranstalter den entsprechenden Betrag erstatten, wenn der Gutschein verwandt wurde.